Gisela und Uwe auf Langfahrt

Gestern Nachmittag im Marinabüro bekommen wir die erste Einweisung in die örtlichen Gegebenheiten. Danach besuchen wir unsere deutschen Segelbekannten Andrea und Andreas von der Segelyacht Akka, die hier an Land steht. Andrea und Gisela haben schon mehrmals Emailkontakt gehabt und Andrea hat uns viele nützliche Tipps gegeben. Wir verbringen den Abend im Marinalokal, essen und trinken zusammen und haben uns viel zu erzählen.

Heute müssen wir zunächst zum Hafenmeister und zum Zoll. Ruz aus dem Marinabüro ruft uns ein Taxi ihres Vertrauens. Der indischstämmige Fahrer kennt sich bestens aus, weil er die Segler immer zu den Behörden bringt und bei beiden Behörden ist unser Besuch schnell erledigt. Wir lassen uns bei der großen Mall von Aeon absetzen, ähnlich der, wie wir sie schon von der Senibong Cove Marina kennen. Wir bummeln durch alle Gänge und finden einen Laden mit Samsung-Zubehör, in dem Uwe sich einen neuen Akku für sein Smartphone kauft. Nun ist es wieder voll einsatzbereit und Uwe erleichtert! Der alte Akku war überladen worden, wie der junge Mann uns gezeigt hat.

Nach einem Einkauf im Supermarkt haben wir den selben Taxifahrer angerufen und sind mit ihm zum LHT Hotel gefahren, das in unmittelbarer Nähe der Marina liegt und sehr preiswert ist. Andrea und Andreas wohnen auch dort und wir haben uns für die letzte Woche vor der Abreise ein Zimmer reserviert. Dann soll die Venus schon an Land stehen und wir möchten nicht mehr auf ihr wohnen. Den Termin zum Herausheben haben wir im Marinaoffice heute Morgen für den 14.7. festgemacht.

Jetzt müssen wir noch unsere Bustickets zum Flughafen buchen. Es gibt fünfmal täglich einen klimatisierten, durchgehenden Bus, der in der Nähe abfährt und für den man online die Plätze buchen kann. Es wirkt bisher alles ziemlich zivilisiert auf uns, was wir in Malaysia erleben!

Der gestrige Abend beschert uns solch ein Geschaukel am Ankerplatz, dass es Gisela fast unmöglich erscheint, ein Abendessen zu kochen. Im höchsten Topf gelingt dann doch ein Eintopf und wenig später beruhigt sich die See, weil der Wind einschläft. Wir verleben eine ungestörte Nacht und freuen uns, dass gegen Morgen eine kühle Brise Abkühlung bringt. Richtig toll ist, dass wir auf der ganzen Reise fast nie von Mücken belästigt werden, es fast nie regnet und wir fast immer bei weit geöffneten Luken schlafen können!
Gestern haben wir unsere Ankunft in der Pangkor Marina (www.marinaisland.com) für heute angekündigt und Akina, die Sekretärin, hat eine Bestätigung geschickt.(akinasisca@marinaisland.com). Die Fahrt dorthin ist gemütlich, bis wir kurz vor der Marina in der Durchfahrt zwischen der Insel Pangkor und der Marina Island nur noch wenig Wasser unterm Kiel haben. Die Marina gibt es noch nicht in der Seekarte und uns ist nicht ganz klar, wie wir hinkommen. Wir rufen auf Kanal 69 und nach einer Weile kommen zwei Marinamitarbeiter mit einem Boot heraus und geleiten uns hinein. Uwe legt gerne rückwärts an, aber heute kann er bei der Anfahrt zum Liegeplatz den Schalthebel nicht mehr auf Vorwärtsfahrt stellen. Wir sind noch nicht in die Box eingeschwenkt, sondern fahren rückwärts mit dem Dinghi als Fender gegen ein Motorboot. Die Marinajungs versuchen vergeblich, uns mit ihrem Boot an den Platz zu ziehen. Wir treiben an den Steg gegenüber, wo wir Gott sei Dank längsseits festmachen können! Meine Güte, musste das nun zum Schluss noch sein? Uwe hat mal wieder die Nase gestrichen voll!
Inzwischen hat er den Fehler allerdings schon behoben. Ursache war nur der Schalthebel, von dem sich die Befestigung gelöst hatte, nicht etwa ein Getriebeschaden! Jetzt müssen die Nerven sich beruhigen und dann sehen wir uns mal um in der Marina.

Weiterfahrt

Ankerplatz 03 47,907N 100 45,704E

Nach einer ausgiebigen, erholsamen Nachtruhe geht es zum letzten Ankerplatz vor Erreichen unseres Ziels, der Pangkor Marina. Gut gelaunt brechen wir beim ersten Tageslicht auf. Die Fahrt unter Motor verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wir können uns ganz gut daran gewöhnen, so bequem ohne Seegang, fast ohne Schiffsbewegung und -krängung zu fahren. Das Rudergehen bei den Bedingungen macht auch keine Mühe. Inzwischen wissen wir auch, dass wir mit ablaufendem Wasser immer schneller werden, weil dann die Strömung mit uns ist. Danach richten wir unsere Abfahrtszeit morgens.
Am für heute geplanten Ankerplatz angekommen, finden wir ihn ungemütlich und fahren noch um das nächste Kap. Die Hoffnung, dort mehr Schutz zu finden, wird leider enttäuscht. Wind und das auflaufende Wasser arbeiten gegeneinander, sodass die Venus zur Zeit quer zur Welle liegt. Aber da der nachmittags einsetzende Wind bisher abends wieder eingeschlafen ist, hoffen wir später auf Ruhe. Es gibt eben fast keine geschützten Plätze, nur solche am Rand der Wasserstraße. Im Herbst, wenn die Hauptwindrichtung aus Nordost ist, bietet das Land den Schutz vor Seegang, jetzt, bei Südostwind, weht es von Sumatra herüber mit dem entsprechenden Seegang, der sich über die Straße von Malakka aufbaut.

Freitag, 3. Juli

Ankerplatz 02 46,302 N 101 23,426 E

Wir wachen früh um fünf von einem Gewitter auf. Schnell alle Luken schließen und dann nochmal in’s Bett. So richtig nah schägt ein grell die Dunkelheit erhellender Blitz ein und wir bekommen einen ziemlichen Schreck! Jetzt verstauen wir den Laptop im Backofen (Faraday’ scher Käfig) und starten die Maschine, was nach Ausfall der Elektrik durch Blitzschlag nicht mehr möglich wäre. Aber kurze Zeit später ist der Spuk vorbei und wir können unsere Reise fortsetzen. Heute an Port Klang, dem Hafen Kuala Lumpurs, vorbei. Wir fahren zwischen vorgelagerten Inselchen durch flache Wasserstraßen, an denen Fischfarmen und Häuser auf Stelzen liegen. Am Ende treffen wir auf den Hauptschiffahrtsweg, der aus dem Hafen kommt und erreichen bei einer kleinen Insel mit Leuchtturm unseren heutigen Ankerplatz bei
03 11,261 N 101 12,957 E
Nachmittag und Abend verlaufen beschaulich, obwohl zur Zeit des Vollmonds hier ein Tidenhub von mehr als 5 Metern herrscht! Beim Schlafengehen bemerken wir, dass unser Ankerlicht nicht brennt und schalten stattdessen das LED- Deckslicht ein. So kann uns niemand übersehen und wir gehen beruhigt schlafen.

Samstag, 4. Juli

Vor Anker bei 03 11,261 N 101 12,957 E

Nachts um 1 Uhr ist es vorbei mit der Ruhe! Eine heftige Gewitterfront mit viel Wind und Regen und sich immer mehr aufbauendem Seegang läßt die Venus sich aufbäumen und uns für die weiteren Stunden nicht mehr schlafen. Völlig gerädert weigert Gisela sich morgens, weiterzufahren und Uwe sieht ein, dass es gegen den noch immer blasenden Wind und die Wellen und die Strömung wohl sinnlos ist. Wir legen uns wieder hin und stehen erst auf, als die Lage sich beruhigt. Im Laufe des Tages wird es wieder friedlich und schön und wir lesen, dass wir nun Bekanntschaft mit dem Sumatra genannten Wetterphänomen gemacht haben. Es kommt in der Straße von Malakka häufig im Sommer vor. Immer nachts bilden sich über eine weite Strecke diese Gewittersqualls, die die Straße von Nordwest nach Südost hinunterziehen und mehrere Stunden hinterher noch für viel Wind sorgen. Wir hoffen jetzt inständig, dass nächste Nacht Ruhe herrscht!

Ausflug nach Malakka

Den gestrigen Abend haben wir in der Marinabar bei Bier und Pizza bzw. Spaghetti mit Meeresfrüchten verlebt. Sehr belebt ist es nicht, die Gäste bestanden außer uns noch aus einem Paar, das gestern angekommen war und Leuten, die wie Crew von Booten wirkten. War trotzdem nett, sich bewirten zu lassen.

Heute morgen beschließen wir spontan, angeregt durch unsere Freunde Ute und Dieter aus Berlin, den Tag für einen Ausflug nach Malakka (Melaka) zu nutzen. Wir beforschen die Möglichkeiten, dorthin zu gelangen, im Internet und ermitteln, dass wir am besten mit dem Taxi nach Sembalan und von dort mit dem Überlandbus nach Malakka fahren. Sara im Marinabüro bestellt das Taxi für uns und eine Weile später werden wir abgeholt. Der Taxifahrer beginnt bald nach der Abfahrt, uns Angebote zu machen für die Fahrt bis Malakka, die wir zunächst ablehnen. Irgendwann sind wir bei einem Preis einverstanden, auch weil wir dadurch mehr Zeit für den Aufenthalt in Malakka bekommen. Der Fahrer Samy, ein indisch stämmiger Mann Anfang fünfzig, erweist sich als ausgesprochen nett. Wir erfahren, dass er acht Kinder im Alter zwischen 34 und 10 Jahren hat, wovon die meisten noch zu Hause leben. Ihm ist es ausgesprochen wichtig, uns Malaysia nahezubringen, wozu er an einem Obststand am Straßenrand anhält, damit wir die stachelig aussehenden Früchte kennenlernen, die dort verkauft werden. Die kleinen, die er für uns kauft, heißen Rambutan und enthalten ein süßes, weiches Fruchtfleisch, ähnlich wie Litschies.

Ausflug nach Melaka173

Dann referiert er über die Ölpalmen- und Kautschukplantagen, die Malaysia zu Wohlstand verhelfen, während wir durch die riesigen Plantagen fahren. Hier zeigt er Uwe Ölbaumfrüchte, deren Öl weltweit begehrt ist für die verschiedensten Verwendungszwecke.

Ausflug nach Melaka177

 

Als wir um 12 Uhr in Malakka ankommen, fährt er einen Parkplatz im Zentrum an, der unser Treffpunkt für 16 Uhr sein soll. Wir sind einverstanden, weil wir sowieso nicht länger durchhalten beim Bummeln.

Ausflug nach Melaka262

Wir haben einen Reiseführer dabei und gehen in die Richtung, die Samy uns gewiesen hat. Da zur Zeit wenig Touristen unterwegs sind, geht es an den touristisch interessanten Orten recht friedlich zu. Am Fluss entlang

Ausflug nach Melaka181

gehen wir zuerst zum Roten Platz, an dem die holländischen ehemaligen Verwaltungsgebäude stehen. Und davor bunt verkleidete Fahrradrikschas.

Ausflug nach Melaka185

Dann durch die Altstadtgassen, das chinesische Viertel, in dem viele Häuser aus der portugiesischen Kolonialzeit stehen.

Ausflug nach Melaka192

Ausflug nach Melaka188

Ausflug nach Melaka193

 

Eine der zahlreichen Fahrradrikschas in Reparatur.

Ausflug nach Melaka189

Moschee und Hindutempel existieren friedlich nebeneinander.

Ausflug nach Melaka190

Da wir beide hungrig sind, steuern wir ziemlich bald ein Lokal in einem schönen alten Gebäude an und lassen uns Ente und Gemüse schmecken.

Chinalokal Famosa

 

 

20150701_122353

Ausflug nach Melaka194

Weiter geht es dann zum Marinemuseum und da zu einem nachgebauten portugiesischen Segelschiff, das man begehen kann.

Ausflug nach Melaka216

Ausflug nach Melaka223

Ausflug nach Melaka230

Die Kapitänskajüte und die Gewürze, die mit solchen Schiffen nach Europa kamen, sind hier zu sehen. Und von oben haben wir außerdem einen guten Blick auf die Stadt.

Ausflug nach Melaka229

Hinterher genehmigen wir uns in einem wunderschönen Haus, das wohl auch die Portugiesen hinterlassen haben, einen Kaffee

Ausflug nach Melaka238

Ausflug nach Melaka239

und dann ist es auch schon soweit, wieder zum Treffpunkt mit Samy zu gehen. Gegenüber vom Parkplatz die katholische Kirche, womit fast alle Religionen vertreten wären. (Am buddhistischen Tempel waren wir nicht)

Ausflug nach Melaka264

Admiral Marina 02 28,76 N 101 50,68 E

Den Ankerplatz bei der Pulau Besar hatten wir uns ausgesucht,  weil er so geschützt und nett aussah. Beschaulich war die Aussicht, aber als nachts das Wasser stieg, gab es ziemlich viel Bewegung im Schiff und die heranrollende Flut krachte mit Wucht an unser Heck. Warum wir nicht mit dem Bug zu den Wellen lagen, muss am Wind gelegen haben. Jedenfalls lag Gisela schlaflos im Salon, wohin sie wegen der guten Belüftung umgezogen war. Uwe hat im Vorschiff prima geschlafen und nichts gemerkt.
Gut gelaunt singt er heute bei der Abreise schon vor dem Frühstück! Gisela braucht erst mal den Cappuccino zum Aufwachen. Wind haben wir auch heute fast nicht und so motoren wir die 39 Meilen zum nächsten Ziel, der Admiral Marina bei Port Dixon. Vorbei an Malakka, vielen Fischerboote, ankernden Tankern vor Industrieanlagen geht die Fahrt ohne Sicht auf den Schifffahrtsweg. Es ist sehr diesig, aber nicht so stickig wie gestern. Unerklärlich ist für uns, dass wir jeden Tag zuerst nur knapp über 4 Knoten fahren und uns bis mittags auf über 6 Knoten Fahrt steigern. Irgendwas schiebt da kräftig mit!
Bei der Marina ruft Gisela morgens an und kündigt unsere Ankunft an. Als wir fast angekommen sind, fragt sie auf Kanal 14, ob wir zuerst tanken können. Das geht nicht und später erfahren wir, dass die Tankstelle zur Zeit außer Betrieb ist. Aber uns wird unsere Liegeplatznummer genannt, auch, mit welcher Seite wir anlegen, damit die Leinen vorbereitet sind. Drei Mann nehmen uns in Empfang, alles prima! Und als die Stromzufuhr nicht klappt, nimmt sich einer unseres Steckers an. Nachdem er ihn zerlegt und wieder zusammengesetzt hat, klappt’s! Jetzt arbeitet die Klimaanlage sich an den 35 Grad unter Deck ab! Und wir erkunden gleich mal die Anlage!

image

image

Tanjung Tohor 01° 50,091 N 102° 45,659 E

Pulau Besar 02° 06,817 N 102° 19,071 E

Nach den Bocksprüngen, die die Venus gestern bis zum Abend vor Anker vollführt hat, war die Nacht erstaunlich ruhig.
Als wir morgens früh aufwachen, ist die See still, es rührt sich fast kein Lüftchen und wir können die Schiffe auf der Wasserstraße wegen der diesigen Luft kaum sehen. Also wird in Ruhe der Cappuccino am Ankerplatz genommen und danach geht es ankerauf. Erst da merken wir, dass sich durch das Stampfen gestern die Ankerfangleine gelöst hat. Gar nicht gut für die Winsch, auf die dadurch der Zug der Kette ging! Gott sei Dank ist nix passiert!
Beim Losfahren dann weißer Qualm aus dem Auspuff und der Motor ist lauter als sonst. Anker wieder runter und Uwe sieht nach den üblichen Verdächtigen: Öl, Kühlwasser, Diesel. Alles in Ordnung, aber er schaltet zur Vorsicht auf den zweiten Dieselfilter um. Und siehe da, der Motor schnurrt, wir können losfahren. Ob Verunreinigung im Diesel der Grund war, ist nicht zu erkennen, Hauptsache, die Maschine läuft! Heute gibt es nämlich ganz wenig Wind von hinten und wir leiden erstmalig unter der Hitze. 6 Stunden motoren wir an vielen Fischern und Netzen und anderen Fischereigeräten vorbei zu einer Inselgruppe vor Melaka, dem alten Handelshafen Malacca. Der Ort, der von Chinesen, Portugiesen, Holländern und schließlich den Engländern erobert wurde, hat heute seine Bedeutung als Warenumschlagplatz an Singapore verloren. Seit 2008 gehört die historische Altstadt zum Weltkulturerbe. Wir sehen Hochhäuser im Dunst gegenüber von unserem beschaulichen Ankerplatz an der Pulau (Insel) Besar. Auf der Insel, die ein beliebtes Erholungsgebiet ist, gibt es ein Hotel mit Golfplatz.

Pulau Besar

Ein paar winzige unbewohnte Inseln liegen noch nahebei. Wir sind die einzigen Ankerlieger, gucken auf eine kleine Bucht mit Sandstrand und hören Zikadengezirpe. Mal wieder ein beschaulicher Ankerplatz!

Ankerplatz Pulau Besar

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.