Gisela und Uwe auf Langfahrt

Vor Anker in Lingga Südküste

003 70.65 S 104 98.00 E

Was für ein Glück! Wir konnten die 99 Meilen von Bangka nach Lingga (östlich von Sumatra, südlich von Singapur)durch die Javasee vor dem Wind kreuzend segeln!  Der Windpilot übernahm das Rudergehen und wir hatten frei! Einziger Wermutstropfen war der Seegang, der die Venus wie betrunken ihrem Ziel entgegentorkeln ließ. Ihr hat es nichts ausgemacht,  aber Gisela war dösig und Uwe konnte nicht schlafen. Trotzdem war es schön, mal wieder ohne Motorenlärm unter dem hellen Halbmond dahinzusegeln und nur die Bootsgeräusche und das Wellenrauschen und zu hören.

Mittags hatten wir unseren einsamen  Ankerplatz an der Südküste Linggas erreicht und konnten uns ausruhen. Ein Haus sehen wir am Ufer, sonst viel Wald. Das Wasser ist leider trüb, aber in dem lehmigen Untergrund hält der Anker super. Morgen geht es weiter, aber es sind ab jetzt kurze Etappen.

Versendet mit der SolMail-App

Unser Ankerplatz ist wirklich schön! Wir liegen ruhig, kein lästiges Gerolle stört das Bordleben. Der Tag war wunderschön sonnig und klar, dazu weht ein kühlender Wind. Der Plan war, heute Nachmittag abzufahren zur Insel Lingga und da morgen anzukommen.  Für eine Tagesfahrt ist die Strecke zu lang, wenn man im Hellen ankommen will. Wir haben es uns gemütlich gemacht, waren mal kurz im leider trüben Wasser schwimmen und haben viel gelesen.
Eine Stunde vor dem geplanten Aufbruch fiel uns auf, dass unser Stromverbrauch extrem hoch war. Wir konnten uns das überhaupt nicht erklären, haben alle Verbraucher ausgeschaltet, aber trotzdem wurde Strom aus den Servicebatterien entnommen. Großes Rätselraten! Was hatte Uwe denn in letzter Zeit geändert? Die Starterbatterien! Schon beim Öffnen der Backskiste, in der sie stehen, fielen der Geruch und die Wärme auf, die von einer ausgingen. Uwe hat die defekte Batterie deaktiviert und mit der anderen konnten wir die Maschine starten. Nun läuft sie zum Laden und wir bleiben noch eine Nacht hier. Wir wollen die Batterie lieber noch beobachten und wir haben es ja nicht eilig.

image

Morgenstimmung

Fahrt nach Bangka

Vor Anker Bangka Nordost
001 30,57 S 105 52,75 E

Unsere Anspannung bei der Abreise war erheblich, weil wir nicht wussten, wie sich die Schlauchschelle um die Wellendichtung bewähren würde. Uwe hat ständig Temperaturmessungen an Dichtung und Welle vorgenommen. Wir hatten Angst, die Dichtung könnte zu eng gepresst sein und heißlaufen. Aber alles lief super! Wir bekamen nicht einen Tropfen Wasser mehr ins Schiff und die Dichtung blieb gekühlt. Der andere Grund, nervös zu sein, war das völlige Angewiesensein auf den Motor. Es gab nahezu keinen Wind und segeln war unmöglich! Nur bei den durchziehenden Gewitterfronten gab es kurze Böen. Die ganze Nacht über blitzte es mal näher, mal am Horizont. Meistens blieben wir von den Regenschauern verschont, nur Gisela hat einen abbekommen,  aber gut geschützt in Uwes Anzug.
Vor einer Stunde sind wir am heutigen Ziel angekommen, einer schönen, weiten Bucht mit palmenbestandenem Sandstrand. Als wir gerade mit allem ferig waren, kam das nächste Gewitter und brachte nicht nur Regen, sondern wo wir eben noch auf See waren,  sahen wir eine Windhose das Wasser hochsaugen. Glück gehabt!

Windhose in Bangka
Jetzt freuen wir uns, dass wir uns erholen können, denn viel geschlafen haben wir nicht. Jeder wollte den anderen nicht sehr lange Ruder gehen lassen. Morgen fahren wir wahrscheinlich weiter zu den Linggainseln. Das ist noch eine Fahrt über Nacht, danach werden die Strecken kürzer bis Singapur.

Frühmorgens kam von Efan eine SMS mit der Frage, ob wir unsere Einkäufe nachmittags erledigen könnten. Er müsse vormittags mit unseren Bootsnachbarn zur Immigration. Damit waren wir gar nicht einverstanden.  Uwe ist zum Nachbarboot gefahren und hat den Skipper Edward gefragt, ob wir nicht zusammen fahren könnten. Da stellte sich heraus, dass Thomas und der junge Russe, der auch mitreist nach Südafrika, beim Tauchen waren.  Edward hat seinen Termin verschoben und wir konnten mit Efan in die Stadt fahren. Nachdem der Reservekanister mit Benzin für den Außenborder gefüllt, Gemüse, Obst und Fleisch auf dem Markt besorgt waren, haben wir uns noch bei Harun bedankt und verabschiedet. Letzte Station war der Getränkemarkt, wo wir nochmal Bier gekauft haben, weil es hier günstig und einfach zu haben ist.
Im strömenden Regen sind wir zurückgefahren und haben bei Efans Frau einen Kaffee getrunken, bis der Regen vorbei war. Gisela war übrigens die ganze Zeit in deren Flipflops unterwegs, weil sie die eigenen heute früh an Bord vergessen hatte.
Nachmittags kam Thomas vorbei, hat uns beim Hochziehen des Dinghis auf das Vorschiff geholfen und später mit uns ein paar Bier im Cockpit getrunken. Das vorher vorbereitete Abendessen schmorte derweil im Backofen: Hühnchen auf mediterrane Art mit Auberginen, Paprika, Knoblauch, Oliven, Rosinen, Rosmarin und Salbei, eine sehr exotische Delikatesse hierzulande.
Der Kartoffelsalat für morgen wurde eben auch fertig und so steht einer Abreise von der Versorgungsseite her nichts mehr im Wege.

Was für eine erholsame Nacht! Kein Gerolle und Gewackel! Noch beim Frühstück war die See spiegelglatt und wir sahen ganz in der Nähe eine Schildkröte ihren Kopf zum Luftholen aus dem Wasser recken. Der Himmel war allerdings zunächst ziemlich grau, was uns von einem Schnorchelausflug abgehalten hat, weil man ohne Sonne wenig sieht von den Schönheiten der Unterwasserwelt.

Gisela hat angefangen, Vorbereitungen für unsere am Dienstag geplante Abreise  zu treffen. Eine große Menge Kartoffeln für Kartoffelsalat gekocht, gepellt, kleingeschnitten und mit Marinade übergossen. Die dürfen nun ziehen und abkühlen, bevor morgen der Salat fertiggestellt wird. Zehn Eier wurden hart gekocht als Belag zum gestern gebackenen Brot. So werden wir die Übernachtfahrt nach Bangka gut überstehen!
Die Waschmaschine ist auch nochmal gelaufen, dazu der Wassermacher, wie immer. Die Wolken und ein kurzer Regen verzogen sich und ließen Sonne und Wind die Wäsche schnell trocknen. Glück gehabt!
Gegen Mittag hat Harun angerufen und das Treffen mit uns heute Nachmittag wegen familiärer Verpflichtungen abgesagt. Von ihm bekamen wir bei der Gelegenheit die Telefonnummer von Efan, mit dem wir morgen letzte Einkäufe machen möchten. Wir sind zu faul, heute Nachmittag an Land zu ihm zu fahren, um uns zu verabreden. Thomas hat ihm wahrscheinlich auf unseren Wunsch schon gestern Bescheid gesagt. Er und sein Skipper essen täglich bei Efan und seiner Frau in ihrem Warung an der Pier. Uns ist es so beschwerlich, mit dem Dinghi am Strand zu landen, weil es so schwer ist, wir es aber hochziehen und hinterher wieder ins Wasser bringen müssen.
Wir bleiben lieber heute Nachmittag an Bord und füllen zur Vorbereitung auf die Abreise Diesel aus den Kanistern in die Tanks, bis sie voll sind.

Vor Anker in Belitung/Javasee

Wieder war es eine unruhige Nacht, aber ein schöner Morgen. Die anfängliche Bewölkung wich strahlendem Sonnenschein, den Gisela zum Ansetzen von zwei Hefebrotteigen, Wäschewaschen und -trocknen und für einen weiteren Schnorchelausflug ans Riff genutzt hat. Uwe hat den Kurs für unsere Weiterfahrt gemacht und eine weitere Bilgepumpe wieder ans Laufen gebracht. Gegen 11 Uhr kam Thomas vom Nachbarboot zu Besuch und wir haben eine Weile geplaudert, während die Wäsche trocknete und die Brote im Ofen backten.

Gegen Mittag setzte wieder stürmischer Wind ein und Thomas ist zurückgefahren.Gerade, als die Wäsche trocken war und wir von unserem frischen Brot gegessen hatten, gab es die obligatorischen mittäglichen Schauer. Wir konnten aber im Cockpit bleiben, ohne nass zu werden.
Nachmittags gab es zur Abwechslung mal wieder etwas zu reparieren. Beim Öffnen eines Backskistendeckels brach ein Scharnier und musste ersetzt werden. Es gab zwar Ersatz, aber der passte nur ungefähr! Ich sage nur englische Maße! Schweißtreibend!

IMG-20150523-WA0002[1]

Heute gibt es für uns auch etwas zu feiern: Vor 47 Jahren haben wir uns kennengelernt und freuen uns immer noch darüber!

Ferientag

Nachts ist es immer ziemlich schaukelig an unserem Ankerplatz, weil dann Hochwasser herrscht und die Wellen über die Riffs rollen. Es gibt hier nur alle zwölf Stunden einen Gezeitenwechsel. Zur Zeit vormittags Niedrigwasser und nachts Hochwasser. So richtig fest schlafen wir deshalb erst gegen Morgen, wenn das Gewackel nachlässt und sind heute erst um halb acht aufgestanden.

Morgens hat Uwe die beiden Starterbatterien nachgesehen, die wir zum Anlassen des Motors haben. Er hat die bessere mit dem Motor verbunden, die ursprünglich zum Starten des Generators gedacht war. Dann sind wir beide zum Schnorcheln an das nächste Riff geschwommen. Die Korallen sind beeindruckend,  der Fischreichtum nicht. Es ist trotzdem schön im warmen Wasser! Uwe hat anschließend noch ziemlich lange Bewuchs vom Unterwasserschiff abgekratzt. Zu der Zeit schien auch noch die Sonne, die aber mittags hinter den Wolken verschwand und seitdem sind mehrere Wolkenbrüche auf uns heruntergeprasselt. Einiges Wasser haben wir in unseren Tank leiten können, und wir sitzen derweil unter Deck, lassen uns vom Ventilator Luft zufächeln und lesen. Ist ganz gemütlich!

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.