Gisela und Uwe auf Langfahrt

Fast wie Weihnachten

Der Morgen begann mit allerlei nützlichem Tun. Uwe hat im Großsegel die defekte Segellatte durch eine mitgebrachte ersetzt. Gisela hat die Waschmaschine laufen lassen und den Herd partiell zerlegt. Eine Flamme wollte partout nicht anbleiben. Dafür ist ein Thermofühler zuständig, den man immer mal ausbauen, alles in der Umgebung reinigen und ihn wieder einbauen muss. Immer wieder kniffelig, weil die Schräubchen weder zu fest noch zu lose angezogen werden dürfen.
Während Uwe unsere leere Gasflasche bei Ruth zum Füllen abgegeben hat, kündigte Storm seine Ankunft für eine Stunde später an. Uwe kam mit der Nachricht zurück, der Zoll wolle uns vor der Abreise besuchen. Warum auch immer! Wir verlassen doch nicht das Land und selbst dann sehen wir keinen Sinn…
Die Wäsche flatterte im Wind, als Ruth Storms Ankunft meldete. Wir trafen ihn und nach einiger Wartezeit traf auch sein Kumpel Josh im Taxi mit den Sachen ein, die sie uns wunschgemäß aus Australien mitgebracht haben! Nun gibt es eine neue Bilgepumpe,  Zündkerzen für den Außenborder und das Kakerlakenmittel von Bayer! Sie bekamen noch Ersatzteile für den Generator. Morgen sind wir zur Abschiedsfeier an Bord der Strikly Bizness in der Bali Marina eingeladen.

Aufregend wurde es noch kurz, als Ruth uns mitteilte, unsere Gasflasche könne nicht gefüllt werden, weil das Equipment zum Füllen europäischer Flaschen zerbrochen sei und aus Holland neu kommen müsse. Auf unser Entsetzen hin fiel ihr ein, einen draußen sitzenden, ihr bekannten einheimischen Skipper zu fragen, der anscheinend andere Möglichkeiten hat. Jedenfalls erklärte der sich bereit,  unsere Flasche mit Gas zu füllen!! Bisher hat es überall geklappt,  aber beim nächsten Werftaufenthalt müssen wir uns ein neues, hier gängiges System einbauen lassen!

Der Zoll ist heute nicht erschienen!

Sonntagsspaziergang

Nachdem wir gestern so faul waren, verspürten wir heute Bewegungsdrang. Und da wir morgen Storm aus Australien mit unserer Pumpe erwarten, brauchten wir Bargeld. Also haben wir uns nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg zum Lotte Mart gemacht, bei dem es die nächsten Geldautomaten gibt. Glücklicherweise war der Himmel bedeckt! Wir haben endlich mal wieder ein bisschen mehr von unserer Umgebung und dem Dorf gesehen. Überall wurden wir freundlich begrüßt! Während wir am Wasser entlanggingen, konnten wir Kindern und ihren Müttern beim Baden zusehen. Ein Lädchen reiht sich an der schmalen Uferstraße ans nächste, im Wettstreit mit der Menge der kleinen Lokale, der Warungs. Dazu Kinder, Hunde, Katzen, Zweiräder, Leute, die an Häusern bauen und andere, die schon früh am Morgen in den Warungs mit Essensvorbereitungen beschäftigt waren. Ein buntes,  friedliches Bild.

Von der Brücke an, die Serangan mit dem Festland verbindet, wurde unser Ausflug langweiliger. Neben der geraden Straße,  aber beschattet durch Bäume,  ging es vorbei an kleinen Imbisswagen bis zur Hauptstraße. Direkt an der Einmündung liegt der Lotte Mart, wo wir zuerst etwas getrunken haben. Es blieb natürlich auch nicht beim Geldholen, sondern wir haben nochmal auf Vorrat Wasser, Bier und Milch im Taxi mit zurück nach Serangan und an Bord genommen.

Da Storm schon morgen mit den Sachen für uns aus Australien kommt, können wir wohl diese Woche losfahren gen Osten! Morgen lassen wir unsere leeren Gasflaschen füllen, Dienstag nochmal Fleisch und Gemüseeinkauf und dann kann es hoffentlich losgehen!  Mal sehen, welche Formalitäten Ruth noch für uns bereit hält…

Regen und Sonne

Abends schließen wir normalerweise die Luken und die Sprayhood für den Fall, dass es nachts regnet. Gestern meinte Uwe, es sei überhaupt nicht mit Regen zu rechnen, wir ließen alles offen und Ihr ahnt schon, was kommt!

Als Gisela lange nach Uwe heute aufwachte, meinte Uwe, es habe wohl doch geregnet,  denn an seinen Füßen fühle es sich so nass an. Blieb aber ruhig liegen. Gisela allerdings nicht,  weil es nämlich immer noch regnete. Sie ist aus dem Bett gesprungen, hat schnell alles geschlossen und, soweit möglich, getrocknet.
Wenig später kam unser Wasserlieferant, dann gab es Frühstück im Salon.
Giselas schlechte Laune verging erst, als die Sonne im Laufe des Vormittags alles getrocknet hatte, auch die inzwischen gewaschenen Handtücher.
Den übrigen Samstag haben wir lesend und faulenzend verbracht. Das tat auch mal richtig gut!

Aufregung an Bord

Heute Morgen stellte Uwe fest, dass seine Kreditkarte fehlte, mit der er vor vier Tagen am Bankautomaten vor dem Lotte Mart Geld abgehoben hatte. Er hatte sie schon gestern vermisst, als er am gleichen Automaten Geld abheben wollte, hat Gisela aber nichts davon erzählt. Er wollte zuerst an Bord suchen. Da sich die Karte aber nicht fand, ist er heute Vormittag zum Lotte Mart gefahren und hat sich da an der Information erkundigt. Die sehr hilfsbereite Filialleiterin hat zuerst bei sich nachgesehen, ob die Karte vielleicht abgegeben worden war. Dann hat sie viele Telefongespräche mit der Bank geführt und hat schließlich denjenigen ausfindig gemacht, der die Karte in Verwahrung genommen hatte. Große Erleichterung, allerdings war das Abholen der Karte noch eine Geduldsprobe. Zunächst eine zwanzigminütige Taxifahrt durch Denpasars Verkehrsgewühl, dann gab es in der Bank unendlich viele Unterschriften zu leisten.

Endlich dort fertig, ist Uwe verabredungsgemäß noch bei Carrefour vorbeigefahren, um Getränke mitzubringen. Gisela war irgendwann etwas beunruhigt, weil es so lange dauerte, bis Uwe wiederkam. Also hat sie ihm auf whats app geschrieben, und als keine Antwort kam, hat sie versucht, ihn anzurufen. Keine Reaktion! Dabei hatte er sich aus dem Taxi auf der Hinfahrt zur Bank noch gemeldet! Ob man ihm nun das Smartphone gestohlen hatte? Oder er es verloren hatte?

Zwei Stunden später kam dann ein Rückruf, er käme nun gleich. Und dann stellte sich heraus, dass es bei Carrefour keinen Empfang gibt, Uwe das aber nicht bemerkt hatte. Er  dachte, er  habe Gisela eine Nachricht geschickt, dass er bei Carrefour essen werde. Ende gut, alles gut, Uwe kam mit Kreditkarte und Smartphone und Getränkeeinkauf irgendwann wieder heil zurück an Bord!

Erfolfgreicher Tag

Wir sind beide zufrieden mit dem Tagewerk!
Uwe hat zwar keine Ersatzzündkerzen im Mercuryshop bekommen,  aber der Außenborder wurde auf seinen Wunsch durchgecheckt.
Gisela hat sich einen gemütlichen Vormittag gemacht und ausnahmsweise mittags gekocht, damit wir gestärkt auf Einkaufstour gehen konnten.
Die war dann sehr erfolgreich!  Sowohl im Telkomselladen, in dem wir für neun Monate Internetzugang für 63 Euro kaufen konnten, als auch bei Dijon, wo es Vollkornmehl gab!
Im Telkomselladen wurden wir von einer Frau mit drei Kindern angesprochen und ausgefragt.  Sie entpuppte sich als Lehrerin und interessierte sich sehr für unser Leben. Am liebsten hätte sie, wenn wir in der Schule den Kindern davon erzählten. Sie hat unsere Emailadresse bekommen.  Mal sehen, was daraus wird!

Wieder ein Arbeitstag

Langsam, aber stetig arbeiten wir unsere to do Liste ab. Als erstes hat Gisela morgens die Achterkammer ausgeräumt, die voller Decken, Kopfkissen, Klopapier, Küchenpapier und einiger Kleinelektroartikel liegt. Auch die Matratzen kamen heraus und die Lattenroste. Dann konnte Uwe die Bilgen darunter öffnen und die Welle und den Ruderquadranten inspizieren, die Wellenabdichtung schmieren und das Getriebeöl kontrollieren. Es gab Gott sei Dank keine unangenehmen Überraschungen und Gisela konnte alles wieder einräumen. Uwe hat die fünf Winschen im Cockpit gewartet, nachdem er schon gestern das gleiche mit der Ankerwinsch gemacht hatte. Gisela hat das trockene, sonnige, windige Wetter zum Wäschewaschen genutzt.

Heute gab es das letzte Brot zum Mittagessen und damit es morgen Mittag auch etwas gibt, hat Gisela wieder Kartoffelsalat vorbereitet. Der ist im Moment der Hit bei dem warmen Wetter! Morgen Nachmittag wollen wir dann zu der Einkaufstour in den uns noch unbekannten Dijon-Supermarkt fahren. Wir erledigen die Einkäufe jetzt lieber nachmittags, weil wir dann bei der Rückkehr und dem Schleppen zum Dingi nicht mehr unter der Sonne leiden müssen.

Uwe ist eben nochmal zum Mercury-Shop an Land gefahren, der hier direkt am Strand ist. Wir brauchen für unseren Außenborder Ersatzzündkerzen und hoffen, dass wir sie da bekommen. Gestern war der einzige Mechaniker, der sich auskennt, nicht anwesend und man konnte uns nicht helfen. Aber auch heute gab es niemanden, der Bescheid wusste, und Uwe wurde auf morgen erneut vertröstet.

Vom Australier Storm haben wir Nachricht, dass er eine Bilgepumpe für uns gekauft hat und sie uns in zehn Tagen aus Perth mitbringt. Außerdem das Antikakerlakenmittel! Nachdem uns schon abends beim Schlafengehen eine Kakerlake im Bett entgegenlief, kontrolliert Uwe jetzt die Betten, bevor Gisela kommt. Aber seit ein paar Tagen haben wir keine mehr gesehen. Ob sie jetzt irgendwo unter uns sitzen und sich fürchten, weil ihre Artgenossen nicht zurückkehren? Ist egal, Hauptsache, wir sehen sie nicht!!

Was uns jeden Tag begleitet und allmorgendlich weckt, hatten wir bisher gar nicht erwähnt: Der Ruf zum Gebet für die Hindus. Eigentlich gehörte das bisher für uns zum Islam, dass der Muezzin ruft. Aber hier werden wir eines Besseren belehrt! Pünktlich morgens zum Sonnenaufgang, also gegen sechs Uhr, erschallt der Singsang über die Bucht und reisst Gisela aus den Träumen – Uwe ist ja meistens schon wach. Mittags erschallt der Ruf auch und abends bei Sonnenuntergang noch einmal. Vorher erklingt eine sehr lieblich Musik. Die gefällt uns wirklich gut, nur die Dauer der immer gleichen Melodie ist manchmal penetrant.

Einmal geweckt, dösen wir noch ein bisschen vor uns hin, aber eine Stunde später hält es Gisela nicht mehr im Bett. Schließlich gibt es immer etwas zu tun! Heute Betten beziehen, ein bisschen putzen, die eingekauften Vorräte noch besser stauen und katalogisieren und schwupps, ist es elf Uhr und wir wollen Ruth einen Besuch abstatten. Ein Anruf, ob sie überhaupt da ist, belehrt uns eines Besseren. Sie kommt erst gegen 12 Uhr ins Büro. Wir erledigen noch dies und das, unter anderem die Korrespondenz mit Andrea von der Segelyacht Akka, die zur Zeit in der Pangkor Marina in Malaysia an Land steht. Wir ziehen Erkundigungen ein über die Marina und ihre Preise, weil wir sie für das nächste Jahr in Erwägung ziehen. Gestern hatte uns schon Susan von der SY Yindee plus darüber informiert. Und eine thailändische Marina haben wir auch zum Vergleich angeschrieben. Jetzt haben wir Zeit und gutes Internet und können allerlei abklären, bevor wir auf unsere Reise nach Osten gehen.

Nach dem Mittagsbrot haben wir Ruth die Bettwäsche für die Wäscherei gebracht und von ihr erfahren, wo man Vollkornmehl zum Brotbacken bekommt. Noch ein anderer Supermarkt als die beiden, die wir inzwischen kennen, nämlich Carrefour und Lotte Mart. Dieser heisst Dijon und soll alle importierten Güter führen. Gegenüber davon gibt es einen Einkaufstempel namens Galeria, den wir auch besuchen müssen. Im dortigen Telkomladen können wir Aufladekarten für das Internet und zum Telefonieren kaufen, damit wir auch in Zukunft mit der Welt verbunden sein werden. Gisela hat zwar jede Menge GB zur Verfügung, aber nur bis zum 21.4. Dann muss man ein wenig nachladen, damit der Zugang aktiv bleibt.

Nachmittags hat der Segelmacher unsere Fock und die Genua zurückgebracht, die er für uns repariert und gelagert hatte. Kurze Zeit später gab es mal wieder einen Regenguss, aber wir hatten die Segel noch in den gut verschlossenen Säcken an Oberdeck liegen und die Luken geschlossen. Mit dem Anbringen warten wir mal, bis es windstill und trocken ist.

 

 

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